Juristische Struktur der Europäischen Gesellschaft (SE)

1. Begriff

Die Rechtsform der Europäische Gesellschaft (Societas Europaea, SE; Europäische Aktiengesellschaft) wurde 2014 im Zuge der EG-Verordnung 2157/2001 über das Statut der Europäischen Gesellschaft aus dem Jahr 2001 eingeführt. Bei der Europäischen Gesellschaft (SE) handelt es sich um eine Aktiengesellschaft mit eigener Rechtspersönlichkeit und einem in Aktien zerlegten Kapital, die über Niederlassungen in mindestens zwei anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union verfügt.

Die Einführung dieser neuen Rechtsform bezweckt die Vereinheitlichung des europäischen Gesellschaftsrechts. Insbesondere sollen Unternehmen, die in verschiedenen Mitgliedstaaten der Europäischen Union tätig sind oder tätig werden wollen, Gesellschaften  nach weitgehend einheitlichen Rechtsprinzipien  gründen können. Diese müssen mithin nicht mehr jeweils in verschiedenen Staaten Tochtergesellschaften nach unterschiedlichem Recht errichten. Vielmehr sind diese Unternehmen, sofern sie als Europäische Gesellschaft (SE) tätig sind, einem einheitlichen Recht unterworfen und können ihre Geschäftsaktivitäten auf dem Gebiet der Europäischen Union durch Niederlassungen ausüben. Auf die Europäischen Gesellschaft (SE) findet neben den europäischen Rechtsgrundlagen auch das jeweilige nationale Recht Anwendung.

2. Gründung

Die Gründung einer Europäischen Gesellschaft (SE) ist unabhängig von nationalem Recht. Bei den Gründern der SE darf es sich ausschließlich um juristische Personen, sprich bereits bestehende Unternehmen wie Aktiengesellschaften (AG), Europäische Gesellschaften (SE) und – mit Einschränkungen – Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH) handeln. Darüber hinaus müssen der satzungsmäßige Sitz sowie die Hauptverwaltung dieser Gründungsgesellschaften in der EU bzw. EWR liegen. Die neu gegründete Europäische Gesellschaft (SE) wird in das Handelsregister desjenigen Landes eingetragen, in dem sie ihren Sitz hat. Mithin wird eine luxemburgische Europäische Gesellschaft (SE) in das Handelsregister Luxemburg eingetragen. Die Eintragung wird anschließend im Amtsblatt der europäischen Gemeinschaft veröffentlicht.

3. Mindestkapital

Das Mindestkapital einer Europäischen Gesellschaft (SE) beträgt 120.000 Euro.

4. Firmenname

Der Firmenname einer Europäischen Gesellschaft (SE) muss die Abkürzung “SE“ enthalten.

5. Organisation

In Anbetracht der unterschiedlichen Regelungen in den Mitgliedstaaten bezüglich Gesellschaftsorganisationsformen, kann die Satzung einer Europäischen Gesellschaft (SE) neben der Generalversammlung der Aktionäre entweder einen Verwaltungsrat (monistisches System, vgl. AG in Luxemburg) oder ein Leitungs- und Aufsichtsorgan (dualistisches System, vgl. AG in Deutschland) vorsehen.

6. Buchführung

Für die Europäische Gesellschaft (SE) gilt im Hinblick auf die Buchführungspflicht das Recht des Landes, in dem sie ihren Sitz hat.

Steuerliche Struktur der Europäischen Gesellschaft (SE)

Für die laufende Besteuerung des Geschäftsbetriebes einer Europäischen Gesellschaft (SE) bestehen keine besonderen Regelungen. Vielmehr unterliegt die Europäische Gesellschaft (SE) in ihrem Sitzland der unbeschränkten Steuerpflicht. Für Niederlassungen und Betriebsstätten in weiteren Ländern muss die SE den dortigen geltenden steuerlichen Pflichten nachkommen. Gewinnausschüttungen (z. B. Dividendenzahlungen) an Anteilseigner unterliegen ebenfalls den jeweiligen nationalen Bestimmungen.

Rechtliche und steuerliche Beratung und Unterstützung

Unsere Juristen und Steuerexperten beraten Sie und helfen Ihnen gerne persönlich und kostenfrei während der Entscheidungsfindung und in der Gründungsphase einer Europäischen Gesellschaft (SE) in Luxemburg.

Sie erreichen uns unter der Telefonnummer

00352 250 345 27

Montag bis Freitag zwischen 09.00 und 16.00

oder per E-Mail
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Gründungsprozedere Zweigniederlassung

Der Gründungsablauf einer Zweigniederlassung in Luxemburg ist der Folgende:

  • Beschluss der Hauptniederlassung über die Errichtung einer Zweigniederlassung in Luxemburg (eine eigene Satzung der Zweigniederlassung ist nicht notwendig)
  • Ausstattung der Luxemburger Zweigniederlassung mit eigenem Kapital (ein Mindestkapital ist dabei nicht erforderlich)
  • Bestellung des Niederlassungsleiters bzw. Prokuristen
  • Beantragung einer Handelsermächtigung
  • Eintragung ins luxemburgische Handelsregister und Veröffentlichung der Satzung der Hauptniederlassung im Amtsblatt (Mémorial C)
  • Betriebsanmeldung und Beantragung einer Steuernummer bei den Steuerbehörden Luxemburgs